AG 3: Biodiversität und Entwicklung

In dieser Arbeitsgruppe werden die verschiedenen Aspekte der Verbindung zwischen Entwicklung und Biodiversität, die Implikationen von Entwicklung einerseits und Schutz und Nutzung von Biodiversität andererseits sowie die Konsequenzen von Biodiversitätsverlusten in Entwicklungsländern diskutiert. Insbesondere sollen einige der folgenden Themengebiete bearbeitet werden: (1) Nutzung von Ökosystemdienstleistungen und deren Bewertung in Entwicklungsländern, (2) Institutionelle Veränderungen und Biodiversität, (3) Externalisierung der Umweltzerstörung durch regionalen und internationalen Handel, (4) Landnutzung, Landwirtschaft und Infrastrukturentwicklung, (5) Gesundheit und Biodiversität, (6) Politische Konflikte und Biodiversität und (7) Politische Instrumente, die sowohl den Erhalt der Biodiversität als auch Entwicklung ermöglichen.

Dr. Manfred Denich (Ltg.)
(Zentrum für Entwicklungsforschung – ZEF)
m.denich(at)uni-bonn.de

Grundlagen

Die Frage, was Entwicklung und Biodiversität verbindet, wurde in den vergangenen Jahren intensiver denn je geführt. Dabei stellt sich insbesondere die Frage, wie die Nutzung natürlicher Ressourcen einerseits und der Erhalt von Biodiversität andererseits, in Einklang zu bringen sind. Das Problem ist, dass Entwicklungsprozesse zur Verbesserung der Lebensbedingungen und Armutsbekämpfung von wirtschaftlichen Aktivitäten abhängen. Dies beinhaltet auch die Intensivierung der Nutzung natürlicher Ressourcen, was vielerorts zu Lasten der Biodiversität geht.

Es gibt sowohl direkte als auch indirekte Wege, Biodiversität vorteilhaft für die Menschen und deren Entwicklung zu nutzen. Zahlreiche Beispiele zeigen in unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Dimensionen den direkten Nutzen von Biodiversität für den Menschen. Im Zusammenhang mit Entwicklung spielt Biodiversität insbesondere indirekt als Basis für Ökosystemfunktionalität eine Rolle. Die daraus resultierenden Ökosystemdienstleistungen beeinflussen das menschliche Wohlergehen und sind essentiell für die Entwicklung einer nachhaltigen Landnutzung, v. a. auf marginalen Flächen. Ökosystemdienstleistungen umfassen unterstützende Dienste wie z. B. Nährstoffkreisläufe, Bereitstellungsdienste wie z. B. Nahrungsmittel und regulierende Leistungen wie z. B. Wasseraufbereitung, aber auch kulturelle Dienstleistungen wie z. B. den Erholungswert (inkl. Tourismus).

Die negativen Konsequenzen von grundsätzlich positiv zu bewertenden Entwicklungsprozessen für Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen wurden in zahlreichen Studien gezeigt. Diese schließen Beeinträchtigungen ein, die durch Rohstoffgewinnung und -verbrauch, aber auch durch die gesellschaftspolitische Situation entstehen. Hinzu kommt, dass durch die weltweit wachsende Bevölkerung, deren Mobilität, den Welthandel mit Rohstoffen und die Externalisierung von Umweltkosten Ursachen und negative Auswirkungen zunehmend nicht nur regional, sondern auch global entkoppelt werden.

Konzepte, wie Entwicklung und Erhalt von Biodiversität kombiniert werden können, liegen vor und wurden teilweise auch schon praktisch umgesetzt. Idealerweise laufen Entwicklungsprozesse und Erhalt von Biodiversität parallel und aufeinander abgestimmt ab. Es stellte sich aber in vielen Regionen die Frage, ob Erhalt der Biodiversität und Entwicklungsaktivitäten eher von der Integration von Schutz und Nutzung oder einer strikten Trennung von Schutz- und Nutzgebieten profitieren können. Die Biodiversitäts-Konvention liefert z. B. mit dem Ökosystemansatz die Richtlinien für einen integrativen Ansatz, der ausdrücklich die Notwendigkeit der Nutzung natürlicher Ressourcen anerkennt.

Ziele

Politische und wirtschaftliche Instrumente werden entwickelt, um den wirtschaftlichen Wert von Ökosystemdienstleistungen für die Menschheit zu erfassen (TEEB) und diese Werte in marktbasierte Mechanismen (z. B. REDD+ oder ABS) zu integrieren. Dabei hängt der Wert der Biodiversität von dem Ansatz der Wertbestimmung ab und wird nicht nur auf Märkten generiert. Der Austausch zwischen wirtschaftlichen und deliberativen Bewertungsansätzen auf unterschiedlichen Ebenen und mit wechselnden Unsicherheiten fordert den Übergang von informierten zu regel- und normenbasierten Entscheidungsprozessen (z. B. Vorsorgeprinzip) und neue Ansätze der Kommunikation und Kooperation im Kontext der verschiedenen Bewertungsansätze und sozialen Organisationsformen. Um zu vermeiden, dass Biodiversitätsverluste externalisiert und nur von der Bevölkerung in Entwicklungsregionen getragen werden, ist nicht nur eine Kostenrechnung, sondern auch eine politische Gestaltung erforderlich. Die schwierige Aufgabe, Biodiversität zu managen, fordert eine institutionelle Vielfalt. Die verschiedenen Konsequenzen daraus werden in der Arbeitsgruppe diskutiert.