BIODIVERSITÄTSSTRATEGIE NRW

Kabinett beschließt Biodiversitätsstrategie NRW als wichtigen Baustein der neuen Naturschutzpolitik.

 

Die Landesregierung
Nordrhein-Westfalen

20.01.2015

Presseinformation – 36/1/2015

Minister Remmel: „Naturschutzpolitik in Nordrhein-Westfalen wird neu ausgerichtet“

Kabinett beschließt Biodiversitätsstrategie NRW (pdf-Datei) als wichtigen Baustein der neuen Naturschutzpolitik.
Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz teilt mit:

Die Landesregierung hat nach Auswertung der Verbändeanhörung die nordrhein-westfälische Biodiversitätsstrategie verabschiedet. Diese Strategie zum Schutz der Arten- und Lebensraumvielfalt und des „wil-den NRW“ beschreibt den derzeitigen Ist-Zustand der nordrhein-westfälischen Natur- und Landschaftsräume sowie konkrete Maßnah-men für einen ambitionierten Biodiversitätsschutz für das nächste Jahr-zehnt. „NRW hat eine faszinierende Vielfalt an Arten und Lebensräu-men. Es ist ein Natur-Schatz direkt vor unserer Tür, den es für unsere Kinder und Enkelkinder zu bewahren und zu schützen gilt. Denn der Verlust an biologischer Vielfalt ist neben dem Klimawandel die zentrale Herausforderung, vor der die Menschheit steht“, sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel nach der Kabinettsitzung in Düssel-dorf. „Mit der Biodiversitätsstrategie NRW setzen wir ein deutliches Zei-chen für den Schutz unseres wertvollen Naturerbes, für das wilde NRW. Das zentrale Ziel der Naturschutzpolitik ist, in den nächsten Jahren den weiter fortschreitenden Verlust an Arten- und Lebensräumen zu stoppen und die biologische Vielfalt wieder zu erhöhen“, betonte der Minister. „Die Biodiversitätsstrategie NRW ist unser Fahrplan dafür.“
Die Landesregierung hatte Ende August 2014 den Entwurf der Biodiver-sitätsstrategie NRW vorgelegt. Bis Ende September 2014 konnten Ver-bände und Organisationen zum Entwurf der Strategie Stellung bezie-hen. Insgesamt 35 Stellungnahmen gingen von den angehörten Stellen im Umweltministerium ein.

Mit der Biodiversitätsstrategie NRW ist ein weiterer politischer Schwer-punkt aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt. Die Strategie bildet eine Standortbestimmung der nordrhein-westfälischen Naturschutzpolitik und ihrer Ausrichtung für die kommenden 10 bis 15 Jahre. Zusammen mit dem geplanten neuen Landes-Naturschutzgesetz und dem geplanten Ökologischen Jagdgesetz wird durch die Biodiversitätsstrategie NRW die Naturschutzpolitik in Nordrhein-Westfalen neu ausgerichtet.
Bereits im Vorgriff auf die Biodiversitätsstrategie NRW hat die Landes-regierung den Naturschutz-Etat von 18 auf 36 Millionen Euro verdoppelt. Remmel: „Zwei Euro jährlich pro Einwohnerin und Einwohner ist das Mindeste, was uns unsere Natur wert sein sollte. Mit diesen Mitteln wollen wir die massiven Eingriffe in die Natur zumindest teilweise wieder rückgängig machen. Dazu investieren wir in Artenschutzprojekte und in die Entwicklung von Schutzgebieten. Wir wollen der Natur wieder Räu-me und damit Möglichkeiten zur freien Entwicklung zurückgeben, die ihr in den letzten Jahrhunderten genommen wurden. Unser Naturerbe ist ein wertvoller Schatz direkt vor unserer Tür. Es ist aber auch ein Schatz, den es immer wieder neu zu entdecken und zu bewahren gilt. Schon jetzt sind wir dabei, die Festplatte unserer Natur unwiederbringlich zu löschen. Das dürfen wir nicht zulassen.“
Nach der letzten Erhebung zur „Roten Liste der gefährdeten Arten in NRW“ sind noch immer knapp 45 Prozent der heimischen Tiere, Pilze und Pflanzen gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben, dazu wertvolle und einzigartige Lebensräume bedroht.


Insgesamt werden in der Biodiversitätsstrategie NRW rund 150 Ziele und Maßnahmen beschrieben, dazu gehören zum Beispiel:
• Die Novellierung des Landschaftsgesetzes hin zu einem Landesnaturschutzgesetz,
• Ausweisung eines zweiten Nationalparks in Nordrhein-Westfalen,
• Erhöhung des Waldflächenanteils mit natürlicher Waldentwick-lung auf ca. fünf Prozent der Gesamtwaldfläche in Nordrhein-Westfalen (Wildniswälder),
• ökologische Entwicklung von Gewässern und Auen mit dem NRW-Programm „Lebendige Gewässer“,
• Schutzprogramme für besonders gefährdete Arten wie Äschen, Wiesenvögel und Wildkatze,
• deutliche Reduzierung des täglichen Flächenverbrauch bis zum Jahr 2020,
• Erhöhung des Biotopverbundes, also die Durchgängigkeit von Lebensraum zu Lebensraum, von derzeit elf auf mindestens 15 Prozent der Landesfläche,
• Erarbeitung einer landesweiten Konzeption zur Wiederherstellung von Heidegebieten, Magerrasen und Mooren,
• Vervollständigung des Schutzgebietssystems inklusive Qualitäts-offensive in den Schutzgebieten,
• Erhöhung des Anteils standortgerechter Buchenwälder von heute 19 auf über 20 Prozent,
• Schutz des Grünlandes einschließlich der Entwicklung bzw. Wie-derherstellung von naturnahen Strukturen in der Agrarlandschaft,
• Ausweitung des Vertragsnaturschutzes und des ökologischen Landbaus,
• Förderung der Umweltbildung von der Kita bis zur Hochschule,
• und das Erlebbarmachen des wertvollen Naturerbes des Landes für seine Bürgerinnen und Bürger.

Web-Video: 3 Fragen an Umweltminister Johannes Remmel zur neuen Biodiversitätsstrategie NRW
https://www.youtube.com/watch?v=7oiJ_ibj4Ns

Web-Video: „Das wilde NRW – Der Schatz vor Deiner Tür“
https://www.youtube.com/watch?v=ik6gfDOyOfc

Faltblatt zur neuen Naturschutzpolitik in NRW:
http://www.umwelt.nrw.de/extern/epaper/2014/neue_naturschutzpolitik/

Wildes NRW – Gefährdete Arten in den Kreisen und kreisfreien Städten:
https://www.umwelt.nrw.de/naturschutz/artenschutz/geschuetzt/seltene-arten/index.php

Verlust der biologischen Vielfalt bedroht das wilde NRW
In Nordrhein-Westfalen leben über 43.000 verschiedene Tier-, Pilz- und Pflanzen-arten. Dieser Artenreichtum ist die Folge des Nebeneinanders zweier großer, sehr verschiedener Naturräume: Dem atlantisch geprägten Tiefland und dem kontinen-tal geprägten Bergland. Jede dieser Regionen bietet eine historisch gewachsene Vielfalt von Lebensräumen (Biotopen) mit ihren typischen Tieren und Pflanzen, vom kleinsten Insekt über unseren „Urwald-Baum“, die Rotbuche, und den Wan-derfalken als weltweit schnellstem Lebewesen bis hin zum größten Wildtier in NRW, dem europäischen Wisent. Ein Schatz direkt vor unserer Tür. Aber auch ein Schatz, der bedroht ist und den es zu bewahren gilt.
Weltweit ist die biologische Vielfalt massiv bedroht. Seit Jahrzehnten ist ein drama-tischer Rückgang der Arten zu beobachten. So liegt die gegenwärtige Verlustrate in einigen Regionen der Welt etwa 100 bis 1.000 Mal höher als die natürliche Aus-sterberate. Auch in NRW geht der Verlust an biologischer Vielfalt weiter. Unsere Landschaften und Lebensräume haben sich durch die Eingriffe des Menschen stark verändert. Dies zeigt zum Beispiel ein Blick auf die Wälder in Deutschland: Von Natur aus wären rund zwei Drittel der Fläche Deutschlands von unserem Ur-Baum, der Rotbuche, bedeckt. Heute sind es real aber nur noch knapp sechs Pro-zent der Fläche.
Unser Naturerbe in NRW zu erhalten, ist eine Herkulesaufgabe, denn auch in NRW konnte bisher das Artensterben nicht aufgehalten werden: Etwa 45 Prozent der untersuchten Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Nach der aktuellen „Roten Liste NRW“ sind dabei Schmetterlinge (rund 55 Prozent), Moose (60 Prozent), Kriechtiere (etwa 71 Pro-zent) sowie Vögel und Wildbienen/Wespen (jeweils rund 52 Prozent betroffen) überdurchschnittlich gefährdet.
Die Ursachen des Artensterbens sind häufig menschengemacht: Hierzu gehören unter anderem die zu intensive Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, die Zerstörung und Zerschneidung naturnaher Lebensräume und der fortschreitende Flächenfraß. So gehen täglich in NRW etwa zehn Hektar an wertvollen Lebens-räumen für eine Vielzahl von Tier-, Pilz- und Pflanzenarten verloren.
Das NRW-Umweltministerium will dem fortschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt mit der neuen Biodiversitätsstrategie NRW und einem neuen Landesnatur-schutzgesetz entgegenwirken.
Weitere Informationen zum Thema:
www.wildes.nrw.de


Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Frank Seidlitz, Telefon 0211 4566-294.
Dieser Pressetext ist auch über das Internet verfügbar unter der Internet-Adresse der Landesregierung www.nrw.de


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